UX-Writing: 8 Kriterien und viele Beispiele für bessere UX-Texte
UX-Writing ist: Nutzerführung mit Worten. Microcopy auf Buttons, in Hinweisen, Check-out-Prozessen und Co. begleiten Menschen durch Websites, Online-Shops, Apps und Software, geben Orientierung und steigern – im besten Fall – die Conversion-Rate. Anders gesagt: UX-Writing ist zentral für die User Experience. Wir zeigen Ihnen 8 Kriterien für bessere UX-Texte sowie Best Practices und Beispiele.
Was ist UX-Writing?
UX-Writing (auch: User Experience Writing) ist das Schreiben von Texten für die Benutzeroberflächen digitaler Produkte. Gemeint sind alle Texte im User Interface, wie Buttons, Navigationspunkte, Tooltips, Call-to-Actions (CTAs), Dialoge, Hinweistexte, Verlaufsanzeigen, Fehlermeldungen oder Formulartexte. Diese Texte nennt man auch Microcopy, Microcontent oder UX-Texte. Sie sind das Ergebnis des UX-Writings.
Beispiele für UX-Writing bzw. UX-Texte:
Call-to-Actions: „Demo buchen“ oder „Kostenlos testen“.
Navigationshilfen: „Alle Filter zurücksetzen“ oder „Zurück zur Übersicht“.
Ladeanzeigen: „Wir bereiten deine Daten vor.“ oder „Deine Briefmarke wird gerade erstellt.“
Erfolgsnachrichten: „Deine Änderungen wurden erfolgreich gespeichert.“ oder „Yes! Du bist angemeldet.“
Fehlermeldungen: „Das Passwort ist zu kurz. Bitte gebe mindestens 8 Zeichen ein.“
Onboarding-Texte: „Schritt 1 von 3: Dein Konto erstellen.“
Formulartexte und Hinweise: „Deine E-Mail-Adresse wird vertraulich behandelt.“
Mikrointeraktionen (z. B. beim Mouseover, Tappen oder Scrollen): „Mehr anzeigen“ oder „Swipe nach links“.
Tooltips: „Klicke hier für mehr Infos.“
Clicktrigger:* „Test endet automatisch“ oder „100 % DSGVO-konform“.
*Als Clicktrigger bezeichnet man kurze Texte unterhalb von Buttons.
Landingpage von Lexware Office: CTA mit klarer Handlungsaufforderung (Buchhaltung kostenlos testen) + Clicktrigger mit nutzerrelevanter Info (Test endet automatisch.)
UX-Writing: Funktion und Ziele
Ziel von UX-Writing ist es, Nutzer durch eine Website, App oder Software zu führen – und zwar klar, zielgerichtet und handlungsorientiert. UX-Texte geben Orientierung, erklären Abläufe und beantworten Fragen, bevor sie entstehen. Sie vereinfachen die Bedienung, verbessern die Nutzererfahrung und motivieren zur nächsten Aktion – Klick für Klick.
Anders gesagt: UX-Texte entscheiden mit darüber, ob ein Prozess abgeschlossen oder abgebrochen wird. Sie haben unmittelbar Einfluss auf die Conversion-Rate (Lead, Abo, Kauf etc.).
Tipp für alle Betreiber von Websites, Online-Shops, Apps oder Software: Die Bedeutung von UX-Writing wird oft unterschätzt. Optimieren Sie jetzt den Microcontent auf Ihrer Website mithilfe dieser 8 Kriterien für gute UX-Texte oder holen Sie sich Unterstützung von Website-Profis.
UX-Writing vs. Copywriting
UX-Writing und Copywriting haben denselben Rohstoff (Sprache) und die gleichen Werkzeuge (Tonalität, Kontext), aber unterschiedliche Ziele:
Copywriting will Aufmerksamkeit erzeugen, Interesse wecken – oder verkaufen. Es spricht in Form von Headlines, Claims, Produkttexten oder klassischen Website-Texten mit den Nutzern.
UX-Writing zielt auf Funktion, Orientierung und Nutzerführung. Es möchte Nutzer leiten oder motivieren – und zwar in wenigen Worten.
Kurz gesagt: Copywriting ist Marketing – es will überzeugen. UX-Writing ist Funktion und Konversation – es will unterstützen. In der Praxis ist die Unterscheidung zwischen Copywriting und UX-Writing allerdings nicht immer einfach – und das ist völlig okay. Gerade bei modernen Websites oder Webanwendungen verschwimmen die Grenzen zwischen Marketing- und UX-Texten:
Ein CTA kann gleichzeitig verkaufen und führen.
Ein Hinweis kann empathisch begleiten und die Marke stärken.
Eine Fehlermeldung kann technisch erklären und trotzdem in der Tonalität der Marke sprechen.
„Wichtig ist es, beide Perspektiven zu verstehen: die des UX-Writings und die des Copywritings. Nur so kann beurteilt werden, an welcher Stelle auf einer Website Marketing-Texte dominieren dürfen und wann Klartext – also UX-Text – gefragt ist. Das erfordert viel Empathie für die Situation und Bedürfnisse des Nutzers.”
Darum ist UX-Writing unverzichtbar für die User Experience
Stellen Sie sich eine App vor und streichen Sie alle Texte. Was bleibt dann noch übrig? UX-Text bzw. Microcopy klingt klein, ist in der Web-Welt aber riesengroß. Denn oft sind es wenige Worte auf einem Button oder in einem Check-out-Prozess, die darüber entscheiden, ob ein Nutzer versteht, klickt, kauft oder abspringt. Das macht UX-Writing zu einem wesentlichen Teil der User Experience – und damit des UX-Designs.
Gute UX-Texte sorgen für:
bessere Nutzererfahrung,
weniger Support-Anfragen,
höhere Conversion-Raten,
Kundenbindung,
Stärkung der Marke (Digital Branding) und
mehr Barrierefreiheit im Web.
UX-Writing ist der textliche Part des User Interfaces und ähnlich wichtig wie das User Interface Design (UI-Design) eines digitalen Produkts. Schöne Optik und technische Funktionalität alleine reichen nicht, um Nutzer ans Ziel zu führen und zu überzeugen. Stattdessen gilt: Informationsarchitektur, UI-Design, UX-Text bilden eine funktionale Einheit.
Die User Experience von digitalen Produkten basiert auf: guter Informationsarchitektur (IA), gutem UI-Design und gutem UX-Writing
UX-Writing: Prozess in 5 Schritten
UX-Design kreiert aus Strategie, Content, Design und Technik das bestmögliche Nutzererlebnis. Das bedeutet auch: UX-Designer, UI-Designer, Entwickler und UX-Texter müssen von Tag 1 im Projekt zusammenarbeiten. Hier der UX-Writing-Prozess im Überblick.
Breuninger.com beweist: UX-Writing steigert die Conversion (Quelle: digital.breuninger.com/blog/uxwriting-whitepaper)
8 Kriterien für gute UX-Texte
UX-Texte wirken, wenn sie führen, helfen, motivieren. Damit das klappt, braucht’s mehr als Bauchgefühl und Standardfloskeln: Diese 8 Kriterien helfen dabei, UX-Writing messbar besser zu machen.
UX-Writing: Kriterien im Überblick
1. Nützlich = Unterstützung
UX-Texte haben nur dann eine Daseinsberechtigung, wenn sie Nutzer wirklich weiterbringen. Sie sollen Aufgaben erleichtern, Fragen beantworten und beim nächsten Schritt unterstützen.
Nützlich:
Der UX-Text ist hilfreich: Er erklärt den aktuellen Status und den nächsten Schritt.
Der UX-Text beantwortet Fragen, die aufkommen könnten: „Überweisungslimit überschritten“ – Wo kann ich das Limit ändern?
Beispiele:


Nicht nützlich:
Der UX-Text bringt keinen Mehrwert bzw. er liefert keine Lösung.
Der UX-Text wirft neue Fragen auf: „Der Status Ihrer Bestellung wurde geändert?“ – Ok, was ist denn der neue Status?
Beispiele:


2. Klar = Information
Klartext schlägt Kreativität. UX-Texte vermeiden unklare Begriffe, Fachjargon oder ironische Formulierungen. Nutzer sollten auf Anhieb verstehen, was gemeint ist – ohne nachzudenken.
Klar:
Der UX-Text ist kurz und eindeutig (= menschenfreundlich).
Der UX-Text gibt präzise Anweisungen und Antworten (Fehler vorhanden -> So kann Fehler X gelöst werden).
Der UX-Text nutzt gelernte Formulierungen.
Beispiele:


Nicht klar:
Der UX-Text ist unverständlich.
Der UX-Text trifft vage Aussagen.
Der UX-Text enthält unverständliche Fehlercodes ohne Erklärung.
Beispiel:

3. Strukturiert = Überblick
Auch kurze Texte brauchen Struktur wie klare Satzführung, Bulletpoints bei Bedarf, sinnvolle Formatierungen (Headlines, Absätze, Fettungen). Der Text muss schnell erfassbar sein – besonders bei technischen Problemen oder Fehlermeldungen.
Strukturiert:
Der UX-Text nennt das Wichtigste zuerst (Informations-Hierarchie).
Der UX-Text konzentriert sich auf das Wesentliche.
Der UX-Text ist logisch strukturiert und formatiert.
Textlinks befinden sich eher am Ende eines Absatzes.
Beispiel:

Nicht strukturiert:
Der UX-Text ist ausschweifend und verschachtelt formuliert.
Der UX-Text wirkt wie eine Textwüste – ohne visuelle Struktur.
Navigationspunkte sind unverständlich strukturiert oder formuliert.
Beispiele:


4. Authentisch = Marke
UX-Texte sind Teil Ihres digitalen Markenauftritts. Die Tonalität muss authentisch zu Ihrem Unternehmen passen – und zugleich alle weiteren Kriterien des UX-Writings beachten (nützlich, klar etc.). Apps wie Slack gelingt es zum Beispiel, Microcopy so zu formulieren, dass sie nützlich und klar sind – und trotzdem die Marke stärken.
Authentisch:
Der UX-Text ist transparent und glaubwürdig.
Der UX-Text passt zur Brand Voice einer Marke – und gleichzeitig zur Situation bzw. zum Bedürfnis des Nutzers.
Beispiel:

Nicht authentisch:
Der UX-Text ist zu technisch oder offensichtlich nicht durchdacht und gepflegt.
Der UX-Text passt nicht zur Situation des Nutzers: „Wenn es ein Problem gibt, möchte ich Lösungen und kein Gequatsche.“
Beispiel:

5. Empathisch = Mitgefühl
Guter Text denkt mit. Er weiß, wie sich Nutzer:innen in einem bestimmten Moment fühlen – und spricht genau diesen Ton. Fürs UX-Writing bedeutet das: Fehlertexte schreien nicht, Erfolgsmeldungen feiern dezent, Tonfall passt zur Situation.
Empathisch:
Der UX-Text nimmt die Situation und das Bedürfnis des Nutzers ernst.
Der UX-Text passt zum Kontext: Was tut der Nutzer gerade? Wie fühlt er sich? Was braucht er?
Beispiele:


Nicht empathisch:
Der UX-Text wirkt flapsig, flach oder freudig, obwohl es gerade darum geht, ein Problem zu lösen.
Der UX-Text gibt dem Nutzer die Schuld für einen Fehler oder hilft nicht dabei, den Fehler zu beheben.
Beispiel:

6. Conversational = Dialog
UX-Writing ist kein Monolog. UX-Texte sprechen mit dem Nutzer – und zwar freundlich, verständnisvoll, auf Augenhöhe. So entstehen Texte, die gelesen und verstanden werden. Und die dem Nutzer Lösungen bieten, statt Frust zu erzeugen (Sackgassen-Gefühl).
Conversational:
Der UX-Text spricht den Nutzer direkt an – und ist aktiv formuliert (handlungsorientiert).
Die Sprache passt zur Perspektive und Situation des Nutzers.
Beispiele:



Nicht conversational:
Der UX-Text spricht vom Nutzer in der 3. Person und nutzt den Nominalstil.
Der UX-Text wirkt steif und klingt nach Verwaltungs-Sprech.
Beispiele:


7. Zugänglich = Barrierefreiheit
Barrierefreiheit beginnt bei Sprache. UX-Texte müssen auch für Menschen mit Einschränkungen verständlich und erfassbar sein. Hier kommen viele der bereits genannten Kriterien ins Spiel: verständliche Sprache, kurze Sätze, klare Struktur.
Zugänglich:
Der UX-Text orientiert sich am Sprachniveau A2 bzw. B1.
Der UX-Text ist im UI-Design barrierefrei dargestellt oder wird durch Designelemente wie Icons unterstützt.
Beispiel:

Nicht zugänglich:
Der UX-Text nutzt kulturspezifische Redewendungen, Metaphern oder starke Ironie.
Der UX-Text verwendet Fachbegriffe: „lateinische Buchstaben“ – besser: „Bitte verwende nur Buchstaben von A bis Z.“
Beispiel:

8. Korrekt = Rechtschreibung
Klingt banal, ist aber entscheidend: Rechtschreibung, Grammatik und einheitliche Begriffe sind ein wichtiges Kriterium für UX-Texte und sichern deren Verständlichkeit. Außerdem: Fehlerfreie Texte wirken professionell und schaffen Vertrauen – vor allem, wenn’s um Geld, um Daten oder um Probleme geht. Und das ist bei digitalen Produkten sehr oft der Fall.
Korrekt:
Der UX-Text ist fehlerfrei.
Der UX-Text nutzt konsistente Begriffe (z. B. einheitliche Formulierung von Buttons mit demselben Ziel).
Nicht korrekt:
Der UX-Text verspielt Vertrauen und Verständlichkeit durch Fehler oder unlogische Formulierungen.
Die Formulierungen, z. B. des CTAs, wechseln ständig und sorgen für Verwirrung.
Fazit: Kleiner Text, große Wirkung
UX-Texte werden oft übersehen oder unterschätzt, machen bei digitalen Produkten aber den Unterschied zwischen Conversion oder Canceln, Frust oder Zufriedenheit. Sie helfen Nutzern im entscheidenden Moment und sorgen für Orientierung, Klicks oder Kauf.
Das Beste daran? UX-Texte lassen sich schnell ändern, einfach testen und messbar optimieren – ohne aufwändiges Redesign oder hohe Entwicklungskosten. Das macht UX-Writing zu einem effektiven Booster für die User Experience auf Ihrer Website, in Online-Shops, Software, Webanwendungen oder Apps.