SXSW 2019

Die sechs key takeaways der SXSW 2019

Hat der Überdruss an Konferenzen, Messen und Conventions nun auch die South by Southwest in Austin, Texas erreicht? Fast hat man den Eindruck, denn es pendeln deutlich weniger Teilnehmer zwischen den über 1.000 Vorträgen, Keynotes und Panel-Diskussionen als im Vorjahr. Hat die Bedeutung der Leitmesse für die Digital-, Musik und Filmindustrie darunter gelitten? Wenn man sich unter den deutschen Gästen umhört, eigentlich nicht. Und wenn man das Staraufgebot aus Speakern wie den Instagram-Gründern Kevin Systrom & Mike Krieger, dem Hip-Hop Artist A$AP Rocky oder Schauspielern wie Gwyneth Paltrow und Mathew McConaughey sieht, dann scheint Austin auch dieses Jahr wieder der Nabel der kreativen Welt zu sein. Grund genug, um ein kleines Fazit zu ziehen und sich ausnahmsweise mal darüber zu freuen, keinen der geplanten Vorträge verpasst zu haben. Deshalb nun hier unsere sechs zentralen „Mitbringsel“ der SXSW 2019.

1. Cashless Cities auf dem Vormarsch – Bargeld wird bald zu Geschichte

In einigen chinesischen Großstädten braucht man schon heute keine Geldbörse mehr, wird doch jede Transaktion einfach mit dem Smarthone abgewickelt. Selbst das Trinkgeld für den Kofferträger wechselt per QR-Scan in Sekundenschnelle den Besitzer, so dass der peinlich berührte Blick ins münzgeldlose Portemonnaie künftig ausfällt. Dick im Geschäft ist hier der Alibaba-Ableger Alipay, der über seine Plattform nicht nur Kunden und Unternehmen finanziell zusammenbringt, sondern zusätzlich noch den User mit der App „Ant Forest“ für jede „papierfreie“ Transaktion belohnt. Wer keine ausgedruckte Rechnung braucht, sammelt fleißig Punkte und Zertifikate über neu-gepflanzte Bäume in einer unfruchtbaren Wüste. Das Resultat kann sich wirklich sehen lassen: 400 Millionen Chinesen sind bereits registriert und haben ihr soziales Gewissen mit über 55 Millionen neuer Stecklinge erleichtert.

2. „Serien-suchten“ auf dem Weg zur Arbeit – Quibi bringt Quality-Content im 6-Minuten Format

Was der Ex-Disney und Dreamworks Chef Jeffrey Katzenberg in seiner 40-jährigen Karriere angepackt hat, wurde stets zu Gold. Sein neues Projekt Quibi wird uns ab April 2020 eine völlig neue Art des Storytelling präsentieren. Gemacht für die „Mobile-First“ Generation, wird es jede Woche eine neue Serie im 6-8 Minuten Format geben. Gespart wird in Hollywood natürlich nicht, so dass Top-Regisseure Qualitätscontent in Netflix Manier servieren, um uns den Weg zur Arbeit zu versüßen. Dabei passt sich das Bildschirmformat stets den Gegebenheiten der Konsumption an: Landscape im Sitzen und Portrait im Stehen oder Gehen. Das es bereits zu viele Entertainment-Plattformen gibt, lässt Katzenberg nicht gelten, denn zwischen 7 und 19 Uhr wird kaum ein Film geschaut, da die Formate meist zu lang für eine Mittagspause sind. 5 Dollar soll das Ganze kosten und neben Top-Serien auch Comedy-Formate und Sport-Highlights anbieten.

3. Empathie als USP
Der Faktor Mensch in einer entmenschlichten Welt

Gerade in einer Welt, wo wir an Chatbots und Algorithmen arbeiten, ist es uns wichtig als Individuum respektiert und menschlich behandelt zu werden. Sagt zumindest die berühmte Paartherapeutin Esther Perel, die bereits zum zweiten Mal in Folge in Austin über Beziehungen am Arbeitsplatz und deren Bedeutung für unsere Produktivität und Motivation referiert. Bestätigt wird der Trend zu empathischen Produkten dann noch von Trendforscher Rohit Bhargava, der das Ganze als Enterprise Empathy bezeichnet und die Firmen vorne sieht, die Produkte mit Einfühlungsvermögen produzieren. Dazu gehören zum Beispiel ein Shampoo mit Blindenschrift oder eine Supermarktkasse für Menschen, die beim Einpacken der Waren mehr Zeit benötigen.

4. Hip-Hop ist das neue Pop – A$AP Rocky läutet Tag der Superstars ein

Da die SXSW auf Prinzipientreue setzt und seit Bestehen kein Geld für Referenten ausgibt, müssen die Sponsoren manchmal nachhelfen. So schickt Mercedes mit Gwyneth Paltrow und A$AP Rocky gleich zwei Superstars ins Rennen. Während die erste über ihren Switch als renommierte Schauspielerin zur CEO einer 250 Mitarbeiter Company (Goop) spricht, gibt der Hip-Hop Star vollmundige Empfehlungen an alle Werbetreibende. Seiner Meinung nach sollte jede „Brand“ mit einem Hip-Hopper zusammenarbeiten, da hier die aktuellen Trends in Sachen Mode, Kultur und Luxus gesetzt werden. Rocky entwirft dabei nicht nur seine eigene Klamotten- und Sneaker-Kollektion, sondern designt auch fleißig für Mercedes an der Flotte. Chefdesigner Gorden Wagener gibt dabei interessante Einblicke in den Lebenszyklus eines Automobils, der über 30 Jahre inklusive einer 5-jährigen Entwicklungs­phase dauern kann.

Zudem präsentiert er auf der Convention stolz sein neues Elektromobil EQ, welches der Auftakt einer Vielzahl an innovativen E-Mobility Modellen sein wird. Durch den Wegfall eines klassischen Motors seien bahnbrechende Designs möglich und Mercedes sei drauf und dran, ein ernsthafter Konkurrent für Tesla zu werden. Die Marke um Innovator Elon Musk habe keine klassischen Käufer, sondern echte Fans und genau da will der Autobauer aus dem Schwabenland auch hin. Gerne mit Testimonials wie A$SAP Rocky, der ganz klar feststellt: „No one is fucking with Benz“. Geht noch mehr an diesem Tag? Na klar, denn die Southby präsentiert die Insights zum Aufstieg von Instagram aus erster Hand mit den beiden Gründern Kevin Systrom & Mike Krieger, die sich lediglich ein wenig um das Thema „Meinungs­verschieden­heiten mit Mark Zuckerberg“ drücken.

5. Sound on – Podcasts und Voice sind weiter auf dem Vormarsch und leiten das Ende der Smartphone-Ära ein

Spotify kauft Gimlet und Anchor und investiert damit in eine vielfältige Auswahl an qualitativen Podcast-Inhalten. Doch nicht nur dieser Umstand macht das Hören von Sprachinhalten zum heimlichen „Hero“ der SXSW, denn auch Digital-Rockstar Steven Bartlett, setzt Podcasts auf seine Liste zukunftsweisender Social Media Channels. Auch noch unter den Top 8 sind die Special Interest Networks Tik Tok und Twitch, Facebook mit seinen Gruppen, Instagram mit Stories, WhatsApp als perspektivische Antwort auf das allumfassende WeChat in China sowie das Business Network LinkedIn, welches gerade durch die Decke geht. Keine geeignete Stimme zur Aufnahme eines Podcast? Auch kein Problem, denn Amazon bietet mit Polly auf seiner Entwicklerplattform AWS einen Service an, der Textinhalte direkt in einen Podcast verwandelt, welcher dann über Alexa direkt in die gute Wohnstube getragen wird. Die ist im Zweifel auch von Amazon, denn gemeinsam mit dem Hausbauer Lennar drückt Jeff Bezos gerade ganze Häuser in den Markt. Alles smart, total vernetzt und jederzeit mit einem offenen Ohr für den Besitzer. Good Bye Smartphone, bis zum Jahr 2021 werden die Hälfte aller Interaktionen mit Maschinen bereits über die Stimme erfolgen.

6. Das blinde Vertrauen in AI – Maschinen entscheiden über unseren sozialen Status

Hammervortrag von Shiv Singh, der sich mit dem Thema Vertrauen und Wahrheit im Zeitalter von Fake News beschäftigt hat. Wir vertrauen halt eher Menschen, die sich ähnlich verhalten oder ähnlich aussehen wie man selbst, glauben an die Inhalte, die wir mögen und unsere Einstellung stärken und vertrauen angeblich blind in Künstliche Intelligenz. Das kann fatale Folgen haben, wie der Social Credit Score aus China zeigt. In zwei Provinzen wird das soziale Bewertungssystem, das sich z. B. aus Daten der E-Commerce und Online-Aktivitäten, Kriminalstatistiken, Verhaltensweisen, Awards oder Steuermoral speist, bereits eingesetzt, um zu entscheiden, ob und zu welchen Konditionen jemand einen Kredit bekommt, wie stark er von der Regierung überwacht wird oder ob er beispielsweise mit einem Hochgeschwindigkeitszug oder Flugzeug reisen darf.

Noch mehr News und Trends von der South by Southwest findet ihr unseren Videobericht (Link) oder meldet euch schon jetzt zum coma trend summit in München an. Als kleinen Vorgeschmack findet ihr hier den Bericht vom CTS 2018.

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